Paul Klee – Leben, Werke, Stil und Bedeutung eines außergewöhnlichen Künstlers – ausführlicher Klee Ratgeber mit vielen Links zu Kunstkopien für Zuhause und schöne Geschenkinspiration

Paul Klee zählt zu den bedeutendsten und zugleich eigenwilligsten Künstlern der Moderne. Seine Bilder können verspielt und poetisch, geometrisch und streng, geheimnisvoll oder beinahe kindlich wirken. Hinter dieser scheinbaren Einfachheit verbirgt sich jedoch ein hochreflektiertes Verständnis von Farbe, Linie, Form, Rhythmus, Natur und Bewegung. Klee war nicht nur Maler und Zeichner, sondern auch Musiker, Kunsttheoretiker und einer der einflussreichsten Lehrer am Bauhaus.
Eine einzige Kunstrichtung reicht deshalb kaum aus, um sein Werk zu beschreiben. Klee setzte sich mit Expressionismus, Kubismus, Abstraktion und anderen Strömungen der europäischen Avantgarde auseinander, entwickelte daraus jedoch eine unverwechselbare Bildsprache. Das Zentrum Paul Klee bezeichnet ihn entsprechend als einen der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts und betont, dass er sich keiner bestimmten Kunstbewegung anschloss.
Dieser Artikel führt durch Paul Klees Leben, seine künstlerische Entwicklung, seine wichtigsten Werke, seine Zeit am Bauhaus sowie die zentralen Merkmale seines Stils. Gleichzeitig zeigt er, warum Klees Ideen weit über seine eigene Epoche hinausreichen.

Wer war Paul Klee?
Paul Klee war ein deutsch-schweizerischer Maler, Zeichner, Grafiker, Kunsttheoretiker und Kunstpädagoge. Er wurde am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern geboren und starb am 29. Juni 1940 in Muralto in der Schweiz. (Bauhaus Kooperation)
Heute wird Klee vor allem mit der klassischen Moderne und dem Bauhaus verbunden. Diese Einordnung ist zwar richtig, erklärt seine Kunst aber nur teilweise.
Klee interessierte sich intensiv für die wichtigsten künstlerischen Entwicklungen seiner Zeit. Er begegnete Künstlern wie Wassily Kandinsky, Franz Marc und August Macke, beschäftigte sich mit der französischen Avantgarde und unterrichtete später selbst am Bauhaus. Trotzdem entwickelte er eine Kunst, die sich kaum auf ein festes Schema reduzieren lässt.
Seine Bilder bewegen sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Menschen verwandeln sich in geometrische Zeichen, Städte werden zu farbigen Flächen, Pflanzen scheinen nach eigenen mathematischen Gesetzen zu wachsen und Linien beginnen beinahe wie Melodien über die Bildfläche zu wandern.
Gerade dieses Zusammenspiel aus Intellekt und Fantasie macht Klee bis heute so faszinierend.
Paul Klee im Steckbrief
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Vollständiger Name | Paul Klee |
| Geboren | 18. Dezember 1879 |
| Geburtsort | Münchenbuchsee bei Bern, Schweiz |
| Gestorben | 29. Juni 1940 |
| Sterbeort | Muralto, Schweiz |
| Beruf | Maler, Zeichner, Grafiker, Kunsttheoretiker und Lehrer |
| Ehefrau | Lily Stumpf / Lily Klee |
| Kind | Felix Klee |
| Bedeutende Stationen | Bern, München, Weimar, Dessau, Düsseldorf |
| Wichtige Künstlerkontakte | Wassily Kandinsky, August Macke, Franz Marc, Alexej von Jawlensky, Lyonel Feininger |
| Bedeutende Institution | Bauhaus |
| Bekannte Werke | Senecio, Ad Parnassum, Hauptweg und Nebenwege, Katze und Vogel, Angelus Novus, Tod und Feuer |
| Künstlerische Einordnung | Moderne, Expressionismus, Abstraktion, konstruktive und surreal anmutende Tendenzen |
Kindheit und Jugend von Paul Klee

Aufwachsen in einer musikalischen Familie
Paul Klees Entwicklung lässt sich ohne Musik kaum verstehen.
Sein Vater Hans Wilhelm Klee war Musiklehrer, seine Mutter Ida Frick hatte ebenfalls eine musikalische Ausbildung. Paul Klee wuchs daher in einem Umfeld auf, in dem Musik zum Alltag gehörte.
Schon als Kind lernte er Violine und entwickelte darin beachtliche Fähigkeiten. Zeitweise war keineswegs selbstverständlich, dass er später bildender Künstler werden würde.
Klee stand vielmehr vor einer grundlegenden Entscheidung: Musik oder Malerei?
Diese Entscheidung war für seine spätere Kunst wichtiger, als es zunächst erscheinen mag. Denn obwohl Klee die bildende Kunst zu seinem Beruf machte, verschwand die Musik nie aus seinem Leben.
Rhythmus, Wiederholung, Variation, Mehrstimmigkeit und Komposition wurden später zu zentralen Prinzipien seiner Malerei.
Violine oder Malerei?
Klee verfügte über ein so ausgeprägtes musikalisches Talent, dass eine Karriere als Musiker denkbar gewesen wäre.
Trotzdem entschied er sich für die bildende Kunst.
Ein möglicher Grund lag darin, dass Klee die damalige Musikwelt anders wahrnahm als die bildende Kunst. In der Musik bewunderte er besonders ältere Meister wie Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart. Die Malerei dagegen erschien ihm als ein Gebiet, auf dem noch grundlegende Entdeckungen möglich waren.
Die Kunst bot ihm die Möglichkeit, eine eigene Sprache zu entwickeln.
Diese Entscheidung bedeutete jedoch keineswegs einen Abschied von der Musik. Klee spielte weiterhin Violine und dachte häufig in musikalischen Analogien.
Das ist einer der Gründe, warum viele seiner Gemälde wie visuelle Kompositionen wirken.

Paul Klees Ausbildung zum Künstler
Der Umzug nach München
Ende der 1890er-Jahre ging Klee nach München, das damals zu den bedeutendsten Kunstzentren im deutschsprachigen Raum gehörte.
Zwischen 1899 und 1906 führte ihn seine künstlerische Ausbildung unter anderem an die Privatschule Heinrich Knirrs und an die Münchner Kunstakademie, wo er bei Franz von Stuck studierte. (Bauhaus Kooperation)
München war für den jungen Künstler ein wichtiger Erfahrungsraum. Gleichzeitig fand Klee dort nicht sofort den Stil, für den er später berühmt werden sollte.
Im Gegenteil: Seine Entwicklung verlief langsam.
Die schwierige Suche nach der Farbe
Bemerkenswert ist, dass Klee zunächst stärker zur Zeichnung als zur Malerei tendierte.
Die Linie beherrschte er früh. Mit Farbe hatte er dagegen lange Schwierigkeiten.
Das klingt rückblickend überraschend, weil Klee heute gerade für seine außergewöhnlichen Farbkompositionen berühmt ist.
Doch diese Entwicklung zeigt einen wichtigen Aspekt seines Werks: Seine später scheinbar selbstverständliche Meisterschaft der Farbe entstand nicht spontan. Sie war Ergebnis jahrelanger Beobachtung, Theorie und praktischer Experimente.
Die frühen Werke von Paul Klee
Klees frühes Schaffen war stark von Zeichnung, Radierung und grafischer Kunst geprägt.
Besonders seine zwischen 1903 und 1905 entstandenen „Inventionen“ zeigen bereits Eigenschaften, die später immer wieder auftreten sollten: Ironie, Fantasie, groteske Figuren, psychologische Mehrdeutigkeit und ein bewusstes Spiel mit Erwartungen.
Der frühe Klee war deshalb keineswegs nur ein Vorläufer des späteren Farbmalers.
Schon hier findet sich die für ihn charakteristische Vorstellung, dass Kunst nicht lediglich etwas Schönes darstellen müsse. Sie könne ebenso denken, kommentieren, verfremden und irritieren.
1910 fand in der Schweiz seine erste Einzelausstellung statt. In den folgenden Jahren intensivierten sich seine Kontakte zur europäischen Avantgarde. (Bauhaus Kooperation)

Paul Klee und der Blaue Reiter
Begegnungen mit Kandinsky, Marc und Macke
Um 1911 kam Klee enger mit Künstlern aus dem Umfeld des Blauen Reiters in Kontakt.
Besonders bedeutend wurde seine Beziehung zu Wassily Kandinsky. Auch mit Künstlern wie Franz Marc und August Macke stand er im Austausch.
Klee nahm an einer Ausstellung des Blauen Reiters teil, ohne sich vollständig mit der Gruppe zu identifizieren. Das Zentrum Paul Klee beschreibt ab 1911 Freundschaften mit Künstlern des Blauen Reiters und Klees Beteiligung an einer ihrer Ausstellungen.
Diese Begegnungen halfen Klee dabei, traditionelle Vorstellungen von Malerei zunehmend hinter sich zu lassen.
War Paul Klee Expressionist?
Klee wird häufig dem Expressionismus zugerechnet.
Ganz falsch ist das nicht. Aber es greift zu kurz.
Er teilte mit expressionistischen Künstlern das Interesse an einer Kunst, die nicht lediglich die äußere Wirklichkeit kopiert. Farbe durfte emotional oder autonom eingesetzt werden, Formen konnten vereinfacht oder verzerrt werden.
Klee interessierte sich gleichzeitig für kubistische Raumvorstellungen, geometrische Ordnung, musikalische Strukturen, Naturprozesse und später für Formen der Abstraktion.
Deshalb ist es sinnvoller, ihn als eigenständigen Künstler der klassischen Moderne zu verstehen.

Die Tunisreise von 1914
Eine entscheidende Reise
Zu den berühmtesten Episoden in Klees Biografie gehört seine Reise nach Tunesien im April 1914.
Gemeinsam mit August Macke und Louis Moilliet reiste er nach Nordafrika. Zu den wichtigen Stationen gehörten Tunis, Hammamet und Kairouan. Die Reise ist auch in der Bauhaus-Biografie Klees dokumentiert. (Bauhaus Kooperation)
Für alle drei Künstler waren Licht und Farben Nordafrikas prägend. Für Klee hatte diese Erfahrung eine besondere Bedeutung.
Die Entdeckung der Farbe
Die Tunisreise wird häufig als Wendepunkt in Klees Verhältnis zur Farbe beschrieben.
Architektur, Licht, Landschaft und Atmosphäre konnten in seinen Aquarellen zunehmend in farbige Felder zerlegt werden.
Häuser, Mauern, Fenster und Landschaftselemente wurden dabei nicht einfach naturalistisch wiedergegeben. Sie lieferten ein Gerüst, aus dem Klee rhythmische Farbkompositionen entwickelte.
Die gegenständliche Welt begann sich in Farbflächen aufzulösen.
Damit näherte sich Klee einer Kunst, in der Farbe nicht länger nur dazu dient, einen Gegenstand korrekt abzubilden.
Farbe konnte selbst zum Gegenstand werden.
Warum die Tunisreise so wichtig war
Die Tunisreise sollte nicht als plötzliche Erfindung eines völlig neuen Klee verstanden werden.
Viele Voraussetzungen waren bereits vorhanden.
Doch in Tunesien schienen sich mehrere Entwicklungslinien zusammenzufügen: sein Interesse an Rhythmus, Architektur, Licht und Farbkontrasten.
Von diesem Zeitpunkt an wurde Farbe zu einem der wichtigsten Bestandteile seines Werks.

Farbe in Paul Klees Kunst
Farbe als eigenes Gestaltungsmittel
Wer ein Bild von Paul Klee betrachtet, sollte Farbe nicht nur danach beurteilen, ob sie „schön“ oder „harmonisch“ wirkt.
Bei Klee kann Farbe unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Sie schafft Räume, verbindet Flächen, erzeugt Bewegung, bestimmt Hierarchien, verstärkt Spannungen oder erzeugt einen bestimmten Rhythmus.
Einige Werke bestehen aus fein abgestuften Farbquadraten oder mosaikartigen Strukturen. Andere arbeiten mit starken Kontrasten.
Klee untersuchte systematisch, wie Farben miteinander interagieren.
Farbe und Musik
An dieser Stelle wird Klees musikalische Prägung besonders deutlich.
Eine Farbfolge kann bei ihm ähnlich funktionieren wie eine Tonfolge.
Ein Farbton wird wiederholt, verändert oder von einem anderen beantwortet. Helle und dunkle Partien können miteinander kommunizieren. Mehrere Strukturen können gleichzeitig auftreten.
Aus der Malerei entsteht so etwas wie visuelle Polyphonie.
Es geht also nicht um eine simple Übertragung nach dem Prinzip „Rot entspricht diesem Ton“.
Viel wichtiger ist die strukturelle Ähnlichkeit zwischen musikalischer und bildnerischer Komposition.

Paul Klee im Ersten Weltkrieg
1916 wurde Klee zum Militärdienst eingezogen. Nach Angaben des Zentrum Paul Klee musste er jedoch keinen Frontdienst leisten. (guide.zpk.org)
Der Krieg veränderte das kulturelle Umfeld, in dem Klee arbeitete. Künstler aus seinem persönlichen Kreis starben, darunter Franz Marc und August Macke.
Klee selbst konnte weiterhin künstlerisch tätig sein.
Während dieser Jahre wuchs auch seine öffentliche Anerkennung. 1919 nahm ihn der Münchner Galerist Hans Goltz unter Vertrag; 1920 präsentierte Goltz eine große Klee-Ausstellung mit mehr als 360 Arbeiten. (Bauhaus Kooperation)
Damit war aus dem lange suchenden Künstler zunehmend eine wichtige Figur der europäischen Moderne geworden.
Paul Klee am Bauhaus
Walter Gropius beruft Klee nach Weimar
Ein entscheidender Abschnitt begann 1920.
Walter Gropius berief Paul Klee an das Staatliche Bauhaus in Weimar. Seine Lehrtätigkeit nahm er 1921 auf. (Bauhaus Kooperation)
Damit wurde Klee Teil einer Institution, die Architektur, Kunst, Handwerk und Gestaltung grundlegend neu zusammendenken wollte.
Für Klee war das Bauhaus nicht nur ein Arbeitsplatz.
Die intensive Lehrtätigkeit zwang ihn dazu, Gedanken, die zuvor intuitiv in seiner Kunst vorhanden gewesen waren, systematisch zu formulieren.
Was unterrichtete Paul Klee am Bauhaus?
Klees Aufgaben waren vielfältig.
Er beschäftigte sich mit Form- und Gestaltungslehre, Zeichnen sowie der theoretischen Analyse bildnerischer Prozesse. Zeitweise war er außerdem mit verschiedenen Werkstätten verbunden. Später unterrichtete er in Dessau unter anderem Gestaltungs- und Formenlehre und leitete eine freie Malklasse. (Bauhaus Kooperation)
Die Bauhaus Kooperation beschreibt seine Farb- und Formlehre als wesentlichen Bestandteil des Unterrichts. (Bauhaus Kooperation)
Dabei wollte Klee seinen Schülern nicht einfach beibringen, Bilder in seinem persönlichen Stil zu malen.
Er suchte nach Grundprinzipien visueller Gestaltung.

Paul Klees Kunsttheorie
Kunst soll nicht bloß kopieren
Einer der bekanntesten Sätze Klees lautet:
„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“
Der Satz stammt aus Klees 1920 veröffentlichter „Schöpferischer Konfession“ und wurde zu einem Schlüsselgedanken seiner Kunsttheorie. (Bauhaus Kooperation)
Was bedeutet das?
Kunst soll nach Klee nicht lediglich reproduzieren, was bereits mit dem Auge gesehen werden kann.
Ein Baum muss nicht einfach möglichst naturgetreu abgemalt werden.
Ein Kunstwerk kann vielmehr Strukturen und Prozesse sichtbar machen, die hinter seiner äußeren Erscheinung liegen: Wachstum, Bewegung, Spannung, Rhythmus oder Veränderung.
Natur als Prozess
Klee war von Natur fasziniert.
Dabei interessierte ihn nicht nur, wie etwas aussieht, sondern wie etwas entsteht.
Ein Blatt wächst.
Ein Samen entwickelt sich.
Ein Organismus verändert seine Form.
Ein Fluss bewegt sich durch eine Landschaft.
Diese Prozesse übertrug Klee in bildnerische Überlegungen.
Deshalb erscheinen manche seiner Zeichnungen und Diagramme beinahe wissenschaftlich. Gleichzeitig bleiben sie poetisch.
Vom Punkt zur Linie
Zu Klees berühmtesten Vorstellungen gehört das Denken über die Entstehung einer Linie aus Bewegung.
Ein Punkt kann sich in Bewegung setzen.
Aus der Bewegung entsteht eine Linie.
Linien begrenzen oder erzeugen Flächen.
Flächen können miteinander in Beziehung treten.
Auf diese Weise betrachtet Klee ein Bild nicht als fertiges statisches Objekt, sondern als Ergebnis eines Entstehungsprozesses.
Diese Vorstellung wurde zu einem zentralen Bestandteil seiner Lehre.
Das „Pädagogische Skizzenbuch“
1925 veröffentlichte Klee sein „Pädagogisches Skizzenbuch“ als zweiten Band der Bauhausbücher. (Bauhaus Kooperation)
Das Werk verdichtet wesentliche Gedanken seiner Lehre.
Klee behandelt dort grundlegende bildnerische Vorgänge und untersucht unter anderem Linie, Bewegung, Kräfte und Strukturen.
Bemerkenswert ist, dass seine Theorie nicht nur für Maler relevant wurde.
Auch Grafikdesigner, Architekten, Illustratoren, Typografen und Kunstpädagogen konnten daraus Prinzipien ableiten.
Gerade deshalb reicht Klees Einfluss weit über seine eigenen Bilder hinaus.

Welchen Stil hatte Paul Klee?
Eine der häufigsten Fragen zu Paul Klee lautet: Welcher Kunstrichtung gehörte er an?
Die überzeugendste Antwort lautet: keiner einzigen.
Klee bewegte sich zwischen unterschiedlichen Positionen der Moderne.
Paul Klee und der Expressionismus
Mit dem Expressionismus verband ihn die Freiheit im Umgang mit Farbe und die Distanz zu einer rein naturalistischen Wiedergabe.
Paul Klee und der Kubismus
Kubistische Künstler zeigten Klee, dass Gegenstände und Raum in geometrische Strukturen zerlegt werden konnten.
Paul Klee und die Abstraktion
Zahlreiche Werke Klees lösen sich deutlich von der sichtbaren Wirklichkeit.
Dennoch blieb er häufig mit Figuren, Landschaften, Häusern, Pflanzen, Tieren und Zeichen verbunden.
Paul Klee und der Surrealismus
Einige seiner fantastischen Wesen und Traumwelten erinnern an den Surrealismus.
Doch auch hier gehört Klee nicht einfach in eine einzelne Schublade.
Seine eigentliche Stärke liegt gerade darin, verschiedene Impulse in eine persönliche Bildsprache zu verwandeln.

Typische Merkmale der Kunst von Paul Klee
Linien
Linien sind eines der grundlegenden Elemente seiner Kunst.
Sie können begrenzen, führen, wachsen, wandern oder Figuren erzeugen.
Bei Klee besitzt eine Linie oft beinahe einen eigenen Charakter.
Geometrische Formen
Quadrate, Rechtecke, Dreiecke und Kreise erscheinen immer wieder.
Dabei wirken Klees geometrische Werke selten technisch kalt.
Die Formen besitzen Unregelmäßigkeiten, wechselnde Farben und rhythmische Beziehungen.
Zeichen und Symbole
Pfeile, Buchstaben, Kreuze, Zahlen, Augen oder einfache grafische Zeichen tauchen in vielen Arbeiten auf.
Dadurch wirken einige Bilder fast wie eine unbekannte Schrift.
Der Betrachter glaubt, etwas lesen zu können, ohne den vollständigen Code zu kennen.
Kindlich wirkende Figuren
Menschen und Tiere sind häufig stark vereinfacht.
Gesichter können aus wenigen Linien entstehen.
Gerade deshalb wird Klees Kunst gelegentlich vorschnell als „kindlich“ beschrieben.
Doch Klee imitierte Kinderzeichnungen nicht einfach.
Er interessierte sich vielmehr für die unmittelbare Kraft elementarer Formen und für Bildsprachen, die noch nicht vollständig an akademische Konventionen gebunden waren.
Architektur und Städte
Häuser, Türme, Dächer, Straßen und Fenster bilden ein wiederkehrendes Motiv.
Städte können bei Klee in geometrische Farbflächen zerfallen.
Architektur wird dabei zu Rhythmus.
Fantasie
Klees Bildwelt wird von sonderbaren Wesen, Pflanzen, Maschinen, Engeln, Tieren und erfundenen Landschaften bevölkert.
Manches ist humorvoll.
Anderes wirkt rätselhaft oder bedrohlich.
Diese Offenheit ermöglicht unterschiedliche Interpretationen.

Welche Techniken verwendete Paul Klee?
Klee war außerordentlich experimentierfreudig.
Er arbeitete unter anderem mit Aquarell, Öl, Tempera, Tusche, Bleistift und unterschiedlichen Mischtechniken. Papier spielte in seinem Werk eine besonders wichtige Rolle. Gleichzeitig experimentierte er mit Karton, Stoff und unterschiedlich präparierten Bildträgern.
Oft kombinierte er mehrere Materialien.
Dadurch entstanden Oberflächen, die für die Wirkung eines Bildes genauso bedeutend sein konnten wie sein Motiv.
Klees Kunst zeigt damit auch eine grundsätzliche Offenheit gegenüber dem Material.
Er fragte nicht nur:
Was möchte ich darstellen?
Sondern ebenso:
Was kann dieses Material leisten?
Musik in Paul Klees Bildern
Der Maler als Musiker
Klees musikalische Ausbildung blieb während seines gesamten Lebens relevant.
Das zeigt sich nicht allein an Bildern mit musikalischen Titeln.
Viel grundlegender ist die Art, wie er Bildkompositionen organisiert.
Rhythmus
Wiederholen sich Quadrate, Linien oder Farbfelder, entsteht ein visueller Rhythmus.
Ähnlich wie in der Musik kann eine regelmäßige Struktur plötzlich unterbrochen werden.
Genau daraus entsteht Spannung.
Polyphonie
Der Begriff Polyphonie bezeichnet in der Musik die Verbindung mehrerer selbstständiger Stimmen.
Klee interessierte sich für vergleichbare Strukturen in der Malerei.
Verschiedene Formen und Farben können gleichzeitig existieren und trotzdem ein Ganzes bilden.
Variation
Ein Motiv muss nicht identisch wiederholt werden.
Es kann sich von Wiederholung zu Wiederholung verändern.
Dieses Prinzip begegnet in Klees Werken ständig.
Aus einem einfachen Grundelement kann eine komplexe Komposition wachsen.

Natur als Inspirationsquelle
Klee betrachtete Natur nicht als bloße Sammlung schöner Motive.
Sie war für ihn ein Modell des Schöpferischen.
Pflanzen wachsen aus kleinen Ausgangspunkten.
Äste verzweigen sich.
Kristalle besitzen geometrische Ordnungen.
Wasser bewegt sich.
Organismen verändern sich.
Der Künstler kann solche Prozesse beobachten und daraus bildnerische Prinzipien entwickeln.
Deshalb stehen Mathematik und Fantasie bei Klee keineswegs im Widerspruch.
Beides kann Teil derselben Ordnung sein.
Zeichen, Symbole und eine eigene Bildsprache
Viele Bilder Klees wirken wie Nachrichten aus einer unbekannten Welt.
Ein Pfeil weist auf etwas.
Ein Auge beobachtet.
Ein Buchstabe erscheint.
Eine Linie wird zum Weg.
Ein Quadrat verwandelt sich in ein Haus.
Ein Halbkreis erinnert plötzlich an einen Mond.
Klee spielt damit, dass Menschen automatisch Bedeutungen suchen.
Seine Bilder erklären sich jedoch selten vollständig.
Gerade darin liegt ihr Reiz.
Der Betrachter wird nicht nur zum Zuschauer, sondern zum aktiven Leser des Bildes.

Die wichtigsten Werke von Paul Klee
„Senecio“ – das Gesicht als geometrische Konstruktion
Senecio entstand 1922 und gehört heute zu Klees bekanntesten Bildern.
Das Gesicht ist stark vereinfacht.
Ein nahezu kreisförmiger Kopf wird durch Linien und verschiedenfarbige Flächen gegliedert. Augen, Mund und andere Elemente werden auf einfache geometrische Zeichen reduziert.
Das Werk befindet sich damit in einem faszinierenden Zwischenraum.
Es ist eindeutig ein Gesicht.
Gleichzeitig kann man das Bild fast als abstrakte Komposition betrachten.
Diese Ambivalenz ist typisch für Klee.
Der Mensch wird nicht naturalistisch wiedergegeben, sondern in ein System aus Farbe, Fläche und Zeichen übersetzt.
„Ad Parnassum“
Das 1932 entstandene Ad Parnassum zählt zu den großen Hauptwerken Klees.
Das Bild fällt bereits durch sein Format auf, denn Klee arbeitete häufig vergleichsweise klein. Ad Parnassum ist dagegen etwa 100 × 126 Zentimeter groß. Die Oberfläche setzt sich aus zahllosen kleinen farbigen Einheiten zusammen und besitzt eine mosaikartige Wirkung.
Dominierend erscheint eine große, berg- oder pyramidenähnliche Form.
Darüber steht eine orangefarbene Sonne.
Die kleinteilige Struktur erzeugt eine besondere Lichtwirkung. Aus der Nähe sieht man einzelne Farbfelder; aus größerer Entfernung verbinden sie sich zu einem Gesamtbild.
Damit zeigt Ad Parnassum besonders eindrucksvoll, wie Klee Ordnung und atmosphärische Wirkung miteinander verbinden konnte.
„Hauptweg und Nebenwege“
Auch Hauptweg und Nebenwege aus dem Jahr 1929 gehört zu Klees bekanntesten Arbeiten.
Das Bild basiert auf einer Struktur aus horizontalen und vertikalen Gliederungen.
Ein dominanter Weg scheint sich durch die Komposition zu ziehen, während kleinere Wege davon abzweigen.
Das Werk kann als Landschaft gelesen werden.
Gleichzeitig funktioniert es als abstraktes System aus Linien, Flächen und Farben.
Gerade der Titel lädt zusätzlich zu symbolischen Interpretationen ein.
Ein „Hauptweg“ und zahlreiche „Nebenwege“ können ebenso als Metapher für Entscheidungen, Entwicklung und Lebenswege verstanden werden.
Klee schreibt diese Bedeutung jedoch nicht eindeutig vor.

„Katze und Vogel“
Cat and Bird beziehungsweise Katze und Vogel entstand 1928.
Das Museum of Modern Art beschreibt das Werk als Öl und Tusche auf grundierter Leinwand, die auf Holz montiert wurde. (The Museum of Modern Art)
Im Zentrum befindet sich der große Kopf einer Katze.
Über ihrer Stirn beziehungsweise innerhalb der bildlichen Gedankenwelt der Katze erscheint ein kleiner Vogel.
Das MoMA interpretiert diese ungewöhnliche Anordnung so, dass der Vogel gleichsam im Kopf der Katze präsent ist: Er ist ihr Objekt der Aufmerksamkeit und Begierde. (The Museum of Modern Art)
Damit zeigt Klee nicht nur, was eine Katze sieht.
Er macht gewissermaßen sichtbar, woran sie denkt.
Das Bild ist ein hervorragendes Beispiel für Klees berühmten Gedanken, dass Kunst nicht lediglich Sichtbares reproduziert.
„Die Zwitscher-Maschine“
Die sogenannte Zwitscher-Maschine gehört zu Klees rätselhaftesten Bildideen.
Vogelähnliche Wesen sitzen auf einer Konstruktion, die an eine mechanische Apparatur erinnert.
Natur und Technik verschmelzen.
Sind die Vögel Teil einer Maschine?
Erzeugt die Maschine ihren Gesang?
Oder macht Klee sich über den Wunsch lustig, Natur technisch kontrollieren zu können?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht.
Gerade diese Offenheit ist typisch.
Klee entwickelt ein Bild, das zugleich komisch, poetisch und etwas unheimlich wirken kann.
„Angelus Novus“
Angelus Novus aus dem Jahr 1920 ist nicht allein kunsthistorisch bedeutend.
Besonders berühmt wurde das Werk durch den Philosophen Walter Benjamin, der es besaß und in seinen geschichtsphilosophischen Überlegungen mit der Figur eines Engels der Geschichte verband.
Dadurch entwickelte das relativ kleine Bild eine enorme geistesgeschichtliche Wirkung.
Es zeigt, wie ein Werk Klees über seinen ursprünglichen künstlerischen Kontext hinaus neue Bedeutungen annehmen konnte.
„Tod und Feuer“
Tod und Feuer entstand 1940, im letzten Lebensjahr des Künstlers.
Wie zahlreiche späte Arbeiten besitzt das Werk eine stark reduzierte Formensprache.
Dicke Linien und wenige große Formen ersetzen die feineren Strukturen vieler früherer Werke.
Das Thema des Todes ist unübersehbar.
Gerade im Zusammenhang mit Klees Krankheit erhält das Bild eine besondere Intensität.
Dennoch sollte sein Spätwerk nicht nur biografisch interpretiert werden.
Klee entwickelte in diesen Jahren eine neue, ausgesprochen kraftvolle bildnerische Sprache.

Wie interpretiert man ein Bild von Paul Klee?
Klees Werke verführen dazu, sofort nach einer geheimen Bedeutung zu suchen.
Oft ist ein anderer Zugang produktiver.
Zuerst lohnt sich die Frage, was tatsächlich sichtbar ist: Welche Linien dominieren? Welche Formen wiederholen sich? Gibt es ein Zentrum? Wie sind Farben verteilt? Welche Richtung entsteht im Bild?
Danach kann der Titel einbezogen werden.
Bei Klee ist der Titel oft wichtig. Er kann einen Hinweis geben, eine Assoziation öffnen oder die Wahrnehmung bewusst in eine bestimmte Richtung lenken.
Anschließend können Symbole und biografische Zusammenhänge untersucht werden.
Entscheidend ist jedoch, Mehrdeutigkeit zuzulassen.
Ein Werk von Klee muss nicht auf eine einzige korrekte Botschaft reduziert werden.
Paul Klee und Wassily Kandinsky
Klee und Wassily Kandinsky gehören zu den Künstlern, die heute besonders eng mit dem Bauhaus verbunden werden.
Beide beschäftigten sich intensiv mit Farbe, Form und Abstraktion.
Trotzdem unterschieden sich ihre Bildsprachen erheblich.
Kandinsky entwickelte häufig dynamische, kosmisch wirkende Kompositionen, in denen abstrakte Formen stark miteinander interagieren.
Klees Bilder sind dagegen oft kleinteiliger, erzählerischer und ironischer. Selbst in weitgehend abstrakten Kompositionen bleiben Spuren von Landschaft, Figuren, Pflanzen oder Zeichen erkennbar.
1924 bildeten Klee und Kandinsky gemeinsam mit Lyonel Feininger und Alexej von Jawlensky die Ausstellungsgemeinschaft „Die Blaue Vier“. (Bauhaus Kooperation)
Die „Blauen Vier“
Die Gruppe sollte nicht mit dem früheren Blauen Reiter verwechselt werden.
Die Blauen Vier bestanden aus Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Alexej von Jawlensky.
Die Verbindung diente insbesondere der gemeinsamen internationalen Präsentation ihrer Kunst.
Sie zeigt gleichzeitig, wie etabliert Klee inzwischen geworden war.
Aus einem Künstler, der zu Beginn seiner Laufbahn lange nach einer eigenen Sprache gesucht hatte, war in den 1920er-Jahren eine internationale Größe der modernen Kunst geworden.
Paul Klee verlässt das Bauhaus
Klees Bauhauszeit endete 1931.
Die intensive Lehrtätigkeit war für ihn zunehmend belastend. Die Bauhaus Kooperation dokumentiert, dass Klee seine Kündigung zum 1. April 1931 einreichte. Anschließend übernahm er eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie. (Bauhaus Kooperation)
Damit begann ein neuer Abschnitt.
Er sollte allerdings nur kurz dauern.

Paul Klee während des Nationalsozialismus
Entlassung aus Düsseldorf
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verschlechterte sich Klees Situation dramatisch.
1933 wurde er aus seinem Lehramt an der Düsseldorfer Kunstakademie entlassen. Ende desselben Jahres ging er zurück nach Bern. (guide.zpk.org)
Seine Kunst entsprach nicht dem nationalsozialistischen Kunstverständnis.
Moderne und abstrakte Kunst wurde systematisch diffamiert.
Auch Werke Klees wurden im Kontext der nationalsozialistischen Kampagne gegen sogenannte „entartete Kunst“ verfolgt.
Rückkehr nach Bern
Die Rückkehr in die Schweiz bedeutete für Klee Sicherheit vor der unmittelbaren nationalsozialistischen Verfolgung, war jedoch keineswegs der Beginn eines ruhigen Lebensabschnitts.
Ab Mitte der 1930er-Jahre verschlechterte sich sein Gesundheitszustand erheblich.
1935 zeigten sich nach Angaben des Zentrum Paul Klee erste Zeichen einer schweren Erkrankung, die als Sklerodermie diagnostiziert wurde. (guide.zpk.org)
Die Krankheit beeinflusste seinen Alltag und seine körperlichen Möglichkeiten.
Seine künstlerische Arbeit endete jedoch nicht.
Paul Klees Spätwerk
Eine radikal veränderte Bildsprache
Klees späte Werke unterscheiden sich deutlich von vielen Arbeiten aus den 1920er-Jahren.
Die Linien werden kräftiger.
Figuren werden größer.
Zeichen erscheinen monumentaler.
Kompositionen wirken reduzierter.
Teilweise entsteht der Eindruck, Klee habe seine Bildsprache auf elementare Symbole verdichtet.
Krankheit und Produktivität
Es wäre falsch, Klees letzte Jahre ausschließlich als Geschichte körperlichen Verfalls zu erzählen.
Trotz seiner Erkrankung arbeitete er intensiv weiter.
Das Spätwerk gehört heute zu den eindrucksvollsten Phasen seines Schaffens.
Tod, Engel, Gefahr und Vergänglichkeit treten stärker hervor.
Gleichzeitig verschwinden Humor und Fantasie nicht vollständig.
Darin liegt eine besondere Spannung.
Paul Klees Tod
Paul Klee starb am 29. Juni 1940 in Muralto in der Schweiz.
Er wurde 60 Jahre alt. (Bauhaus Kooperation)
Heute liegt sein Grab in Bern.
Sein Tod beendete ein außerordentlich umfangreiches künstlerisches Schaffen, dessen Bedeutung in den folgenden Jahrzehnten weiter wachsen sollte.
Warum Paul Klee die moderne Kunst beeinflusste
Klees Bedeutung lässt sich nicht nur an einzelnen berühmten Bildern festmachen.
Mindestens ebenso wichtig ist seine Vorstellung davon, wie Kunst entsteht.
Er betrachtete Gestaltung als Prozess.
Linien, Farben und Formen besaßen eigene Kräfte.
Natur sollte nicht bloß kopiert, sondern in ihren Strukturen verstanden werden.
Zwischen Musik, Mathematik, Pflanzenwachstum und Malerei konnten Verbindungen bestehen.
Diese Vorstellung war für nachfolgende Generationen außerordentlich produktiv.
Einfluss auf die abstrakte Kunst
Klee zeigte, dass Abstraktion nicht zwangsläufig vollständig geometrisch oder rational sein muss.
Sie kann humorvoll, organisch und poetisch sein.
Ein Bild kann fast abstrakt erscheinen und gleichzeitig eine Figur oder Geschichte andeuten.
Gerade dieser Zwischenraum beeinflusste zahlreiche spätere Künstler.
Einfluss auf Grafik und Design
Klees Beschäftigung mit elementaren Gestaltungsfragen macht ihn auch für Grafikdesign interessant.
Linie.
Fläche.
Kontrast.
Rhythmus.
Raster.
Wiederholung.
Variation.
Hierarchien.
All diese Themen gehören heute selbstverständlich zum Vokabular visueller Gestaltung.
Klees Bauhausunterricht trug dazu bei, sie systematisch zu untersuchen.

Einfluss auf Kunstpädagogik
Besonders nachhaltig war Klees Wirkung als Lehrer.
Während seiner Bauhauszeit entwickelte er große Teile seiner Kunsttheorie systematisch weiter. Seine Vorlesungen behandelten Naturstudium, Form, Bewegung und bildnerisches Denken. (Bauhaus Kooperation)
Seine Lehrmethoden zeigen einen Ansatz, der auch heute modern wirkt.
Statt einfach fertige Stilrezepte vorzugeben, versucht Klee, grundlegende Prozesse verständlich zu machen.
Ein Schüler soll nicht lernen, wie ein „Klee“ gemalt wird.
Er soll verstehen, wie Gestaltung funktioniert.

Warum Paul Klees Kunst heute noch modern wirkt
Mehr als acht Jahrzehnte nach seinem Tod sehen viele Werke Klees erstaunlich zeitgenössisch aus.
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Seine reduzierten Figuren erinnern an moderne Illustration.
Seine geometrischen Flächen könnten aus zeitgenössischem Grafikdesign stammen.
Seine Zeichen besitzen teilweise die Direktheit heutiger Icons.
Seine Verbindung von System und Zufall erinnert an generative Gestaltung.
Und sein spielerischer Umgang mit unterschiedlichen visuellen Sprachen wirkt erstaunlich offen.
Klee zeigt, dass ein Bild gleichzeitig einfach und komplex sein kann.
Das Zentrum Paul Klee in Bern
Heute ist Bern einer der wichtigsten Orte für die Beschäftigung mit Paul Klee.
Das Zentrum Paul Klee widmet sich seinem Werk, seiner Biografie, seiner Sammlung und der wissenschaftlichen Erforschung seines Schaffens.
Für Besucher bietet es die Möglichkeit, Klees Kunst nicht nur anhand einzelner berühmter Bilder kennenzulernen, sondern seine Entwicklung über unterschiedliche Schaffensphasen hinweg zu verfolgen.
Das ist besonders wichtig, weil Klee ein äußerst umfangreiches Werk hinterlassen hat.
Wer nur Senecio oder Ad Parnassum kennt, sieht lediglich einen kleinen Ausschnitt.
Wo kann man Werke von Paul Klee sehen?
Wer Paul Klee im Original erleben möchte, findet bedeutende Arbeiten in zahlreichen internationalen Museen und Sammlungen.
Besonders eng mit ihm verbunden ist das Zentrum Paul Klee in Bern.
Werke befinden sich aber auch in großen Häusern außerhalb der Schweiz. Das Museum of Modern Art in New York besitzt beispielsweise Cat and Bird von 1928. (The Museum of Modern Art)
Da Klees Werk über zahlreiche Sammlungen verteilt ist, lohnt es sich vor einem Museumsbesuch zu prüfen, welche Arbeiten aktuell tatsächlich ausgestellt werden.

Paul Klee für Kinder erklärt
Paul Klee eignet sich besonders gut dazu, Kindern einen Zugang zur modernen Kunst zu ermöglichen.
Viele seiner Bilder verwenden einfache Grundformen.
Ein Kreis kann zum Kopf werden.
Ein Dreieck wird zum Dach.
Rechtecke ergeben eine Stadt.
Eine geschwungene Linie verwandelt sich in einen Weg oder ein Tier.
Dabei zeigt Klee etwas Entscheidendes:
Ein Bild muss die Wirklichkeit nicht genauso darstellen, wie sie auf einem Foto aussehen würde.
Man kann Dinge vereinfachen, verändern und neu zusammensetzen.
Gerade deshalb eignet sich Klee hervorragend für kreative Übungen im Kunstunterricht.

Paul Klee im Kunstunterricht
Städte aus geometrischen Formen
Eine klassische Aufgabe besteht darin, eine Stadt aus Rechtecken, Quadraten und Dreiecken aufzubauen.
Die Formen können anschließend unterschiedlich eingefärbt werden.
Dabei lernen Schüler, wie aus einfachen Grundelementen komplexe Bildräume entstehen.
Musik malen
Eine noch spannendere Übung nimmt Klees Verbindung von Musik und Bild auf.
Schüler hören ein Musikstück und versuchen anschließend nicht, die Musiker darzustellen.
Stattdessen übersetzen sie Rhythmus, Lautstärke und Geschwindigkeit in Linien, Formen und Farbabfolgen.
Damit nähert sich die Aufgabe Klees grundsätzlicher Denkweise an.
Eine Linie spazieren lassen
Auch eine einzige Linie kann Ausgangspunkt eines Bildes sein.
Sie verändert ihre Richtung, wird schneller oder langsamer, bildet eine Schleife und erzeugt schließlich Flächen.
Dadurch wird unmittelbar verständlich, dass Zeichnung als Bewegung betrachtet werden kann.

Interessante Fakten über Paul Klee
Klee lässt sich nicht allein über seine Gemälde kennenlernen. Einige Aspekte seiner Biografie machen seine außergewöhnliche Arbeitsweise besonders deutlich:
- Er war ein versierter Violinist und spielte auch als Erwachsener regelmäßig Musik.
- Er schwankte in jungen Jahren zwischen einer musikalischen und einer künstlerischen Laufbahn.
- Mit Wassily Kandinsky verband ihn nicht nur das Bauhaus, sondern auch ein intensiver künstlerischer Austausch.
- Seine Tunisreise von 1914 wurde zu einer wichtigen Station seiner Entwicklung als Farbmaler.
- Neben seiner praktischen Arbeit entwickelte Klee eine umfangreiche Kunst- und Gestaltungslehre.
- 1925 erschien sein Pädagogisches Skizzenbuch als Bauhausbuch.
- Seine Werke reichen von winzigen Zeichnungen bis zu vergleichsweise großen Gemälden wie Ad Parnassum.
- Bildtitel spielen bei Klee häufig eine zentrale Rolle für die Wahrnehmung seiner Werke.
- Seine letzten Lebensjahre waren von schwerer Krankheit geprägt, zugleich entstand ein bedeutendes Spätwerk.
Paul Klees wichtigste Lebensstationen
Paul Klees Biografie zeigt eindrucksvoll, wie eng persönliche Erfahrungen und kunsthistorische Entwicklungen miteinander verbunden waren.
1879 wurde er in Münchenbuchsee bei Bern geboren.
Ende der 1890er-Jahre begann seine künstlerische Ausbildung in München.
1906 heiratete er die Pianistin Lily Stumpf und zog mit ihr nach München. Ein Jahr später wurde ihr Sohn Felix geboren. (guide.zpk.org)
Ab 1911 intensivierte sich sein Kontakt zum Umfeld des Blauen Reiters.
1914 reiste er gemeinsam mit August Macke und Louis Moilliet nach Tunesien.
1916 wurde er zum Militärdienst eingezogen.
1920 berief Walter Gropius ihn an das Bauhaus.
1921 begann Klee dort regulär zu unterrichten.
1925 erschien das Pädagogische Skizzenbuch.
1931 verließ er das Bauhaus und wechselte an die Kunstakademie Düsseldorf.
1933 verlor er nach der nationalsozialistischen Machtübernahme seine Position und übersiedelte zurück nach Bern.
Ab 1935 machte sich seine schwere Erkrankung bemerkbar.
1940 starb Paul Klee in Muralto. (Bauhaus Kooperation)
Häufige Fragen zu Paul Klee
Wann wurde Paul Klee geboren?
Paul Klee wurde am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern geboren. (Bauhaus Kooperation)
Wann starb Paul Klee?
Klee starb am 29. Juni 1940 in Muralto in der Schweiz. (Bauhaus Kooperation)
Welche Kunstrichtung hatte Paul Klee?
Paul Klee lässt sich keiner einzelnen Kunstrichtung eindeutig zuordnen. Seine Kunst weist Einflüsse des Expressionismus, Kubismus und der Abstraktion auf. Teilweise wirken seine Bilder auch surreal. Das Zentrum Paul Klee betont ausdrücklich seine eigenständige Position innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts.
War Paul Klee Expressionist?
Klee stand dem Expressionismus und Künstlern aus dem Umfeld des Blauen Reiters nahe. Trotzdem ist die Bezeichnung Expressionist allein zu eng, um sein gesamtes Werk zu erfassen.
War Paul Klee Mitglied des Blauen Reiters?
Klee war mit wichtigen Künstlern des Blauen Reiters befreundet und beteiligte sich an einer Ausstellung aus diesem Umfeld. Seine Position blieb jedoch eigenständig. (guide.zpk.org)
Was machte Paul Klee am Bauhaus?
Klee unterrichtete von 1921 bis 1931 am Bauhaus. Zu seinen wichtigsten Bereichen gehörten Form-, Gestaltungs- und Zeichenlehre. In Dessau leitete er unter anderem die bildnerische Formlehre und eine freie Malklasse. (Bauhaus Kooperation)
Was ist typisch für Paul Klee?
Typisch sind reduzierte Figuren, geometrische Formen, Linien, Symbole, intensive Farbstrukturen, fantastische Wesen, musikalisch wirkende Rhythmen und die Verbindung von Gegenständlichkeit und Abstraktion.
Warum war Musik für Paul Klee wichtig?
Klee wuchs in einer musikalischen Familie auf und war selbst ein talentierter Violinist. Musikalische Prinzipien wie Rhythmus, Variation und Mehrstimmigkeit beeinflussten seine Vorstellungen von Malerei.
Warum war die Tunisreise so wichtig?
Die Reise von 1914 mit August Macke und Louis Moilliet spielte eine wichtige Rolle in Klees Entwicklung als Farbmaler. Licht, Architektur und Farbwirkung Nordafrikas beeinflussten seine zunehmend autonomen Farbkompositionen. (Bauhaus Kooperation)
Was ist Paul Klees berühmtestes Bild?
Ein einziges berühmtestes Werk lässt sich schwer bestimmen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Senecio, Ad Parnassum, Hauptweg und Nebenwege, Katze und Vogel, Angelus Novus, Die Zwitscher-Maschine und Tod und Feuer.
Was bedeutet „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“?
Klee wollte ausdrücken, dass Kunst die Realität nicht einfach kopieren muss. Sie kann Strukturen, Gedanken, Bewegungen oder Zusammenhänge sichtbar machen, die sich nicht unmittelbar beobachten lassen. Der Satz stammt aus seiner Schöpferischen Konfession von 1920. (Bauhaus Kooperation)
Warum sehen manche Bilder von Paul Klee wie Kinderzeichnungen aus?
Klee vereinfachte Formen bewusst und interessierte sich für elementare Zeichen und unmittelbare Bildsprachen. Die Einfachheit ist deshalb nicht Ausdruck mangelnder technischer Fähigkeiten, sondern eine bewusste künstlerische Entscheidung.
Welche Techniken verwendete Paul Klee?
Klee arbeitete unter anderem mit Aquarell, Öl, Tempera, Tusche, Bleistift, Druckgrafik und zahlreichen Mischtechniken.
Was lehrte Paul Klee?
Im Mittelpunkt seiner Bauhauslehre standen grundlegende Prinzipien von Form, Farbe, Bewegung und Gestaltung. Seine Ideen fasste er unter anderem im Pädagogischen Skizzenbuch von 1925 zusammen. (Bauhaus Kooperation)
Wo kann man Paul Klees Bilder sehen?
Eine der wichtigsten Sammlungen befindet sich im Zentrum Paul Klee in Bern. Werke sind darüber hinaus in zahlreichen bedeutenden internationalen Museen vertreten, beispielsweise im Museum of Modern Art in New York. (The Museum of Modern Art)








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